das-do-it-yourself-photobuch

Das Do-It-Yourself Photobuch

Ein Photobuch ist eine wunderbare Sache, doch unter Umständen, vor allem in Zeiten knapper Kassen, sehr kostenintensiv. Mit einigen Handgriffen kann man aber eine Menge Geld sparen.

Bindung und Einband nach Art des Hauses …

So … ahhääm … nach gefühlten zweihundert Stunden Arbeit am Photomaterial und Layout des Innenteils, ging die ca. 730 Megabyte große PDF-Datei an die Druckerei. An dieser Stelle herzlichen Dank an Repropartner Erfurt, obwohl während des Druckes einiges schief ging, zahlte sich meine Geduld schlussendlich aus. Der Druck sah am Ende – ich glaube nach 3 Druckversuchen und 4 Besuchen des Druckladens – sehr schön aus!!!

Das Buch entstand in Kooperation mit meinem Schw******ein, somit versuche ich im nachfolgenden Text eher die wir (erste Person Plural) als die ich-Form (erste Person Singular) zu verwenden.

Wir dachten uns, wir machen den Einband und die Bindung des Innenteils selbst. Obwohl, nein … Gerade weil wir null Ahnung hatten und dieses Kapitel der Buchbindekunst die Premiere unseres Buchbinderdaseins ist, durchforsteten wir das Web nach Anleitungen und machten doch alles anders.

1. Material- und Werkzeugbeschaffung

Material- und WerkzeugbeschaffungDer Einband entstand in Eigenregie, er besteht aus Karton, ca. 4,5 mm stark, von der Rückseite eines A2 Skizzenblocks. Bezogen bzw. Bespannt wurde der Einband mit Japanpapier, dieses ist sehr dünn – ich glaub 40 oder 50 g/m² – und lässt sich mit ein wenig Geschick sehr einfach verarbeiten.

Zusätzlich haben wir Holzleim, Papierklebeband, Schere, Cuttermesser, diverse Messmittel, Schraub- oder Klemmzwingen, Nadel und einen festen Faden verwendet. Ach-ja, außerdem werden zwei Holzbretter zum Einspannen und ein Drittes zum Bohren benötigt. Ein Dremel und ein bzw. mehrere 0,5-mm Bohrer sollten auch nicht fehlen.

Der Innenteil entstand aus Digitalpapier 180 g/m² mit einer matten Oberfläche. Im Druckladen gedruckt und Beschnitten, hat es eine Endgröße von einem DIN-A4 Blatt.

2. Die Bindung des Innenteils

Perforation mit Dremel

Erste Experimente mit angeleimten Stoffstreifen als Bindung waren mehr dürftig wie erfolgreich. Doch die Idee der Perforation sowie anschließender Naht mit Nadel und Faden war ein voller Erfolg.

Zuerst musste das Papier ordentlich zusammengestapelt werden, um es dann zwischen zwei Einlegeböden fest einzuspannen. Dabei sollte das Papier ca. 30 mm zwischen den Böden herausschauen. Optimal ist die ganze Vorrichtung an einer Tischkante angebracht, denn so kann man zum Bohren ein drittes Brett unterlegen und auch vernünftig mit Nadel und Faden arbeiten.

Die Löchlein wurden ca. 3 mm vom Rand und in einem Abstand von ca. 3 mm gebohrt. Anschließend wurden die Seiten in zwei Durchgängen über Kreuz vernäht.

Der Faden wurde am Ende verknotet und abschließend mit einer dünnen Schicht Holzleim überpinselt.

Nähen mit Nadel und FadenNähen mit Nadel, Faden und ZangeNähen mit Nadel und FadenNähen in zwei Durchgängen

 

2.1. Die Deckblätter

Die Verbindung der Innenseiten mit dem Einband erfolgte mit zwei Seiten Zeichenpapier im Format 594 x 210 mm, herausgetrennt aus einem A2 Skizzenblock. Diese wurden nach dem Falten mit einer schmalen Klebestelle am Rand des fertig genähten Innenteils aufgeklebt und kurzum verpresst.

Zuschneiden der DeckseitenAnleimen der DeckseitenAnleimen der DeckseitenAnleimen der Deckseiten

3. Klipp, klapp, der Einband

Als Erstes schnitten wir den Karton auf das Richtige Maß, wir haben an jeder Kante einer A4 Seite ca. 3 mm zugegeben, also ein Maß von 303 x 216 herausbekommen. Dies wurde zweimal benötigt, einmal für die Vorder- und einmal für die Rückseite.

Zusätzlich fertigten wir noch einen Streifen für den Buchrücken. Wir haben hier die Stärke der Seiten (im gebundenen Format) gemessen und zweimal die Stärke des Einbandes hinzugegeben. Alle Kanten wurden mit dem Dremel entgratet und die Ecken, an dem der Einband später bewegt wird (an den Übergängen von Vorderseite zum Buchrücken und von der Rückseite zum Buchrücken), in einem 45 grad Winkel angefast.

Zuschneiden des EinbandesAnfasen des EinbandesAnfasen des EinbandesAnfasen des Einbandes

 

3.1. Der Einband des Einbandes

Die Vorder- und Rückseite haben wir mit dem Japanpapier beklebt, an den Ecken umgeschlagen und auf der Innenseite ebenfalls verleimt. Die Vorderseite, den Buchrücken und die Rückseite haben wir, auf der Innenseite provisorisch mit Papierklebeband verbunden. Da wir für das Provisorium keinen wirklich guten Ersatz fanden, beließen wir das Klebeband als endgültige Lösung.

Fertigung des Einbandes 1Fertigung des Einbandes 3Fertigung des Einbandes 4Fertigung des Einbandes 2

3.2. Der Stoffstreifen

Einfärben des BuchrückensFür den Buchrücken benötigten wir einen Stoffstreifen, dieser soll die nötige Verbindung der drei Teile des Einbandes übernehmen. Aus einem großen Stück Stoff wurde ein passendes, Kleineres, herausgeschnitten. Die Kanten wurden leicht angeleimt, damit diese nicht ausfransen. Der Stoff wurde mit goldfarbener Acrylfarbe bemalt.

Zurechtschneiden des StoffsAnleimen der Stoffkanten

3.3. Das Nächste

Der bereits zuvor zurechtgeschnittene und bemalte Stoffstreifen wurde auf der Rückseite mit Holzleim benetzt, mittig auf den Buchrücken ausgerichtet und leicht angedrückt. Die überlappenden Kanten wurden auf der Vorder- und Rückseite angedrückt, austretenden Kleber haben wir mit einem Tuch entfernt. Überstehende Stoffreste an der Ober- und Unterkante wurden eingeschnitten und auf die Innenseite umgeschlagen.

Fertigung des Einbandes 5Fertigung des Einbandes 6Anleimen des StoffsEinschneiden des Stoffs

3.4. Das Letzte

Der Einband und das Innenleben des Buches waren nun fertig, es fehlte bloß die richtige Verbindung beider Einheiten. Innenteil mit Deckseiten im Einband ausrichten und verkleben.

AusrichtenLeim VertreilenZuklappenDaumen hoch

Nach dem Verkleben haben wir noch ein wenig Druck auf das gesamte Buch ausgeübt, um alle noch feuchten Klebestellen zu festigen und den Kleber eventuell zu verteilen.

Die Deckseiten mussten am Einband etwas nachgeleimt werden und abschließend kam um das Buch noch ein Lederband. Nun war es so weit, das Photobuch konnte seinem neuen Besitzer übergeben werden …

VerpressenNachleimenÜbergabe