Die Bismarckära

Bismarck wurde bekannt durch seine „Zuckerbrot und Peitsche“ – Politik, er trieb das Nationalgefühl und den Nationalstolz voran. Er war adelig und Großgrundbesitzer und niemals Kaiser, er war nur Kanzler und führte die schriftlichen Angelegenheiten, er was also nur des Kaisers Sekretär.

Der Dualismus zwischen Österreich und Preußen über die Vorherrschaft im deutschen Reich wurde von einem weiteren Krieg, dem Krimkrieg 1853-1856 zwischen Russland und dem Osmanischen Reich überschattet. Russland wollte seine Position stärken und Zugang zu den Weltmeeren erlangen, nahe liegend war somit ein Zugang über das Schwarze Meer und dem Bosporus. Österreich sieht in diesem Konflikt seine Grenzen bedroht und mischt sich ein, währenddessen Preußen seine beobachtende Position beibehält. Durch Preußens neutrales Verhalten gewinnt es an Ansehen und der Dualismus zwischen Russland und dem Osmanischen Reich verändert sich zum Vorteil Preußens.

1. Die Herstellung der deutschen Einheit nach der gescheiterten Revolution 1848/49

1851 – Zusammentritt des deutschen Bundestages in Frankfurt, Ziel war eine Bundesreform – Stärkung der Einheit des deutschen Bundes

Preußen Kl. und mitteldeutsche Staaten Österreich
keine Zubilligung von Führungsansprüchen an Österreich Abwehr der Bestrebung ihren Einfluss zu schwächen Beibehaltung der Führung

2. Auseinandersetzungen zwischen 1861 und 1871

2.1. Heeres und Verfassungskonflikt in Preußen – 1861/62

Dieser Konflikt beruhte hauptsächlich auf einer Forderung der Liberalen im Preußischen Landtag. Diese hielten eine Modernisierung der Armee für überfällig und regten eine Änderung der Wehrgerechtigkeit bzw. die Dauer der allgemeinen Wehrpflicht an. Entgegen den meist adeligen Offizieren waren sie der Meinung, dass eine Landwehr von dem bewaffneten Volk geprägt sein sollte um die Armee zu verstärken. Ebenso stimmten Sie für eine Aufstockung der Finanzmittel für das Heer. Die Entscheidung in militärischen Angelegenheiten blieb weiterhin Sache des preußischen Königs.

Am 22. September 1862 wurde Bismarck zum Ministerpräsidenten ernannt und wollte Preußen zu einer Hegemonialmacht also vorherrschenden Macht bzw. einen überlegenen Land im Bezug auf Politik, Kultur, Militär und Wirtschaft antreiben. Er regierte das Land ohne Budget und im ständigen Streit mit den Liberalen die in seinem Handeln einen Verfassungsbruch sahen.

2.2. Deutsch-Dänischer Krieg – 1864

Um die Verschmelzung Schleswigs mit Dänemark zu unterbinden, ziehen Preußen und Österreich gemeinsam gegen Dänemark in der Krieg. Dänemark wird geschlagen und das Herzogtum Schleswig an Preußen und das Herzogtum Holstein sowie Lauenberg an Österreich abgetreten.

2.3. Deutsch-Deutscher Krieg – 1866

Als Österreich im Juni die Erbfolge einem Bundesurteil unterordnet sieht Preußen in diesem Vorgehen eine Verletzung des Gasteiner Vertrages. Preußen verlangt die Ausschließung Österreichs und tritt nach weiteren Streitigkeiten aus dem Bündnis aus. Im Zeitraum vom 15. Juni bis 28. Juli findet ein Deutsch-Deutscher Krieg zwischen Preußen und 17 weiteren Staaten (meist Norddeutsche Staaten) sowie Österreich und 12 weiteren (meist Süddeutschen Staaten) statt. Infolge einer Niederlage schied Österreich aus dem Deutschen Bund aus.

2.4. Norddeutscher Bund – 1867

Der Friede von Prag – auf Initiative von Preußen – am 23. August beendete den Krieg zwischen Österreich und Preußen endgültig. Eine kleindeutsche Lösung die von Bismarck Favorisiert wurde und Österreich aus einem gesamtdeutschen Staat ausschloß schien nun als unabdingbar. Es entstand der Norddeutsche Bund mit allen nördlich des Main liegenden deutschen Staaten. Der Bund diente unter anderem der Vereinheitlichung von Währungen, Maßen, Rechtsprechungen, Militär- und Außenpolitik sowie vereintem Militär.

2.5. Die Reichsgründung – 1870/71

Der Norddeutsche Bund wandelte sich von einer Staatengemeinschaft zu einem Bundesstaat mit Bismarck in einer Doppelfunktion. Laut dessen Gebietspolitik sollte ein Krieg gegen Frankreich, das seine Vormachtstellung in Europa gefährdet sah, nur eine Frage der Zeit sein. Die wirtschaftlichen Beziehungen der süddeutschen Staaten mit Preußen folgte eine Waffenbrüderschaft und bei einem Krieg sogar die politische Einbindung.

Ein Erbfolgestreit in Spanien war ausschlaggebend für den Kriegsausbruch zwischen Frankreich und Preußen. Die spanische Regierung setzte im Februar 1870 Prinz Leopold von Hohenzollern – Sigmarigen, unter Protesten Frankreichs, als Thronfolger ein. Infolge Frankreichs vehementen Vorgehens verzichtete dieser am 12. Juli 1870 auf die Krone. Die Franzosen gingen noch weiter und forderten eine Unterlassungserklärung bzw. verbindliche Zusage seitens des Preußischen Königs auf den Thron auch in Zukunft zu verzichten. Dieser lehnte jedoch ab.

Frankreichs Mobilmachung am 14. Juli ging die Zurückweisung der Forderung seitens Bismarcks voraus, dieser verschärfte dessen Ton dahingehend dass die inhaltliche Aussage unverändert blieb. Der Bündnisfall ließ Preußen und die süddeutschen Staaten gemeinsam gegen Frankreich kämpfen. Es standen ca. 500 000 deutsche und ca. 290 000 französische Soldaten gegenüber, der deutschen Offensive hatten die Franzosen nicht viel entgegenzusetzen und verloren eine Schlacht nach der Anderen bis schließlich der Französische Kaiser – Napoléon der III. in Kriegsgefangenschaft geriet. Am 1. Januar 1871 folgte die Reichsproklamation in Versailles, Elsass und Lothringen gingen an Preußen sowie süddeutsche Staaten.

3. Die Verfassung von 1848 und 1871

1848
  • Länder im Staatenhaus
  • Regierung wird vom Kaiser ernannt
  • Gesetztgebung durch Reichstag und Kaiser mit aufhebenden Veto
Gemeinsamkeiten
  • Staatoberhaupt ist ein Erbkaiser und König von Preußen
  • Machtfülle, Oberbefehl
  • Einberufung des Reichstages
  • Auflösung des Reichstages
  • Walrecht (Männer ab 25 Jahren)
  • Föderation
  • Gewaltenteilung
1871
  • Länder im Reichstag
  • Regierung wird vom Kanzler ernannt
  • Gesetzgebung durch Reichstag und Bundesrat

4. Bismarcks innenpolitische Auseinandersetzung mit den Reichsfeinden

Bismarcks Innenpolitik (Finanzen, Bildung, Wehrpflicht) hatte als Ziel die Sicherung der staatlichen Autorität. Als erstes erfuhren die Katholiken bzw. die Partei des Zentrums bezüglich der Führung die vollständige Ablehnung des protestantischen Bismarcks. Hauptgrund dieser Ablehnung ist auch die Tatsache, dass katholische Würdenträger neben ihrer kirchlichen Aktivität meist noch in Lehranstalten tätig sind. Die Trennung von Kirche und Staat beruht auf dem von Bismarck geführten „Kulturkampf“ – seinem Vorgehen gegen die Partei des Zentrums.

4.1. Erster Deutscher Reichstag – 1871

Der damalige preußische Ministerpräsident Bismarck wird zum Reichskanzler ernannt. Die Verfassung des Deutschen Reiches wird durch den Reichstag verabschiedet und ersetzt die Novemberverträge des Vorjahres am 4. Mai. 1871. Frankreich wird zur Abtretung von Elsass und Lothringen sowie zur Zahlung von Kriegsentschädigungen verpflichtet. Indem die katholische Abteilung im Kultusministerium aufgelöst wurde, sollte den Geistlichen ein politisches Mitspracherecht – auch unter Androhung von Haft – untersagt werden.

4.2. Vereinheitlichtes Strafrecht sowie Maß- und Gewichtsordnung – 1872

Die Kirchliche Schulinspektion wird im deutschen Reich aufgehoben und und das Schulaufsichtsgesetz unter staatliche Aufsicht gestellt. Dem Orden der Gesellschaft Jesu  werden auf deutschen Boden sämtliche Niederlassungen verboten, das Jesuitengesetz wird am 04. Juli als Reichsgesetz erlassen. Vom 06. bis 11. September findet das sogenannte Drei-Kaiser-Treffen zwischen  Kaiser Franz Joseph I., Zar Alexander II. und Kaiser Wilhelm I. in Berlin statt.

4.3. Erweiterung des Drei-Kaiser-Abkommens – 1873

Geistliche werden zur Vorlage eines Reifenzeugnisses verpflichtet und müssen ihr Studium sowie ein Staatsexamen an einer deutschen Universität ablegen. Das Drei-Kaiser-Abkommen wird am 22. Oktober durch Beitritt Kaiser Wilhelm I. zu den Schönbrunner-Konvention erweitert, diese wurde im Mai 1873 zwischen Österreich-Ungarn und Russland geschlossen. Die Isolierung Frankreichs ist somit gelungen und ein Bündnis zwischen Frankreich und Russland ausgeschlossen.

4.4. Staatliche Beurkundungen – 1874

Es werden zum ersten mal Standesbeamte zur Beurkundung von Eheschließung, Geburt und Todesfall eingesetzt. Die Zivilehe ist besonders im Kulturkampf gegen die katholische Kirche von Nutzen, dessen Trauung nun nicht mehr als rechtliche Ehe angesehen wird.

4.5. Kirchen- und Währungsreform – 1875

Bismarck veranlasst im Kulturkampf den Ausschluss der Kirche aus staatlich finanziellen Programmen. Sämtliche Zuschüsse an katholische Geistliche und Bistümer werden gesperrt, einzig zugelassene Orden sind Krankenpflegeorden. Die im Jahr 1871 begonnene Reichsmünzreform wurde nun Vollzogen und es galt ab dem 22. September die Mark zu 100 Pfennig als einheitliche deutsche Währung.

5. Entwicklung der Sozaldemokratie

Lokale Arbeitnehmervereine um 1840 formierten sich um 1863 zum ADAV unter Lasalle und 1869 zur SDAP unter Bebel und W. Liebknecht. Um 1875 schlossen sich beide zur SAP (Sozialistische Arbeiterpartei) zusammen, ein Jahr Später im März 1876 wurde diese verboten. Ihre relativ eigenständigen Regionalorganisationen und ihr lokaler sowie flächendeckender Aufbau sah die Führung als gemeingefährlich. Schlussendlich gipfelten die Schikanen und Verfolgungen gegen die SAP im Sozialistengesetz vom 21. Oktober 1878, dies verbot die Partei endgültig. Einzig blieb die Reichstagsfraktion der SAP bestehen und konnte ihre politisch-parlamentarische Arbeit fortsetzen.

Das Gesetz hatte 30 Paragraphen und trug den Titel: Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie

5.1. Auszug aus dem Sozialistengesetz

§1
  1. Vereine, welche durch sozialdemokratische, sozialistische und kommunistische Bestrebungen den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung bezwecken, sind zu verbieten.
  2. Dasselbe gilt von Vereinen, in welchen sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichtete Bestrebungen in einer den öffentlichen Frieden, insbesondere die Eintracht der Bevölkerungsklassen gefährdenden Weise zu Tage treten.
  3. Den Vereinen stehen gleich Verbindungen jeder Art.
§9
  1. Versammlungen, in denen sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichtete Bestrebungen zu Tage treten, sind aufzulösen.
  2. Versammlungen, von denen durch Thatsachen die Annahme gerechtfertigt ist, daß sie zur Förderung der im ersten Absatze bezeichneten Bestrebungen bestimmt sind, sind zu verbieten.
  3. Den Versammlungen werden öffentliche Festlichkeiten und Aufzüge gleichgestellt.

5.2. Bismarcks Politik – „Zuckerbrot und Peitsche“

5.2.1. Peitsche – Sozialistengesetz (1878-1890)
  • Verbot der Sozialdemokraten dessen Vereinen, Veranstaltungen, Umzügen, Versammlungen und Druckerzeugnissen
  • Sozialdemokraten bzw. Anhängern drohte die Ausweisung und/oder Verhaftung
  • Verhängung des kleinen und/oder großen Ausnahmezustandes
5.2.2. Zuckerbrot – Sozialgesetz
  • 1883 – Krankenversicherungsgesetz (Entstehung der AOK)
  • 1884 – Unfallversicherungsgesetz
  • 1889 – Alters- und Invaliditätsversichrungsgesetz

1891 wird in Erfurt die SPD gegründet, ihr Parteiprogramm  dient in vielen anderen Ländern den dortigen Arbeiterparteien als Vorbild und wird weitestgehend übernommen.

6. Konflikte und Konfliktlösungen in Europa

  • Drei-Kaiser-Abkommen vom 22. Oktober 1873 durch Beitritt Kaiser Wilhelm I. zu den Schönbrunner-Konvention was bis dahin zwischen Österreich-Ungarn und Russland bestand
  • Ein Zweibund vom 07. Oktober 1879 zwischen Österreich-Ungarn und Deutschland wird als geheimes Verteidigungsbündnis gegen Russland vereinbart
  • Drei-Kaiser-Vertrag vom 18. Juni 1881 wird zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland geschlossen
  • Dreibund vom 20. Mai 1882 zwischen Italien, Österreich-Ungarn und Deutschland wird als geheimes Verteidigungsbündnis gegen Frankreich geschlossen
  • Rückversicherungsvertrag vom 18. Juni 1887 zwischen Deutschland und Russland um Neutralität und Unterstützung russischer Balkaninteressen von deutscher Seite

7. Die Politik des neuen Kurses – Kaiser Wilhelm II.

Kaiser Wilhelm I. stirbt am 09. März 1888, sein Sohn Friedrich III. der selbst von einem Krebsleiden gezeichnet ist übernimmt das Amt für 99 Tage. Am 14. Juni stirbt Friedrich III. durch die Nachfolge seines Sohnes Wilhelm II. geht das Jahr 1888 als Dreikaiserjahr in die Geschichte ein. Wilhelm II. übergeht Bismarck indem er eine Erweiterung der Arbeiterschutzgesetzgebung vorschlägt das von Bismarck bereits abgelehnt wurde. Am 17. März wird Bismarck zum Rücktritt durch den Kaiser aufgefordert, einen Tag später reicht er selbiges als Entlassungsgesuch ein.

Der Rückversicherungsvertrag von 1887 wird nicht verlängert, ein Abbruch von  Bismarcks Bündnispolitik zeichnet sich ab. Das deutsche Reich erkennt die britische Hoheit auf Sansibar und das Wituland in Kenia an, im Gegenzug erhält es Helgoland und einen Teil im norden Südafrikas zurück.

Frankreich und England unterzeichnen ein Abkommen das Sansibar als englische und Madagaskar als französische Kolonie anerkennt. Bismarcks Sozialistengesetz gegen die Sozialdemokratie läuft aus und scheitert bei einer erneuten Verlängerung.

Am 17. August 1892 schließen Frankreich und Russland ein vorerst geheimes Verteidigungsbündnis gegen einen Angriff der Dreibundländer Italien, Österreich-Ungarn und Deutschland. Großbritanien und Frankreich einigen sich im Sudan während des Faschoda-Krieges indem der Westen an Frankreich und das Niltal an die Briten übertragen wird.