Gedichtinterpretation

Gedichte sind kürzere literarische bzw. lyrische Texte in Versform. Interpretation bedeutet nichts weiter, als dass man einen Text deutet und diesen Analysiert.

Formale Mittel

Formale Mittel der Interpretation sind der Vers (Zeile im Gedicht) und die Strophe (Abschnitt/Absatz im Gedicht). Es sollte in einer Interpretation immer, auch wenn nur am Rande, die Anzahl der Verse sowie der Strophen erwähnt werden. Ebenso kann auf die Verszeilenläng eingegangen werden, zum Beispiel wenn diese extrem lang oder kurz ist oder dass jeder Vers einen Satz bildet. Ausserdem sollte jede optische Auffälligkeit Erwähnung finden. Der Reim ist der Teil eines Wortes, der nach dem letzten Vokal folgt. Die Reimformen unterscheidet man wie folgt: Schlagreim (zwei aufeinander folgende Wörter Reimen sich), Binnenreim (Wörter einer Zeile bzw. eines Verses Reimen sich), Endreim (Wörter am Versende Reimen sich) und unreiner Reim (Reime unterscheiden sich nur in der Schrift, im gesprochenen gibt es keine Abweichung).

Reimschema

Neben der Reimform besitzen Gedichte auch ein Reimschema. Hier bedient man sich folgender Unterteilung: der Paarreim {a-a-b-b}, der Haufenreim bzw. durchgehender Reim {a-a-a-a}, der Schweifreim {a-a-b-c-c-b}, der umarmende Reim {a-b-b-a}, der Kreuzreim{a-b-a-b}, der verschränknde Reim {a-b-c-a-b-c}. Ein Beispiel: {a-b-a-a-a-b} -> wäre ein umarmender Reim zusätzlich mit a beginnend.

Metrum / Versmass

Gedichte besitzten ein Metrum auch Versmass genannt, dies ist die Untergliederung der Verszeile in Silbeneinheiten. Das Metrum wird meisst für den ersten oder bei Bedarf auch für den zweiten Vers gestellt. Hierbei handelt es sich um ein sich wiederholendes Muster  der Silbeneinheiten. Die Silbeneinheiten wiederum bestehen aus langen (betonten) und/oder kurzen (unbetonten) Silben. Ein Besipiel von Joseph von Eichendorff „Allgemeines Wandern“ wo der Jambus das Versmass bestimmt:

Vom Grund bis zu den Gipfeln,
 x    x    x   x  x   x  x

Das Metrum oder die Metrik unterscheidet man wie folgt:

  • Jambus [ x x x x ] – jede zweite Silbe wird betont
    …wirkt frisch, belebend
  • Trochäus [ x x x x ] – jede erste Silbe wird, die zweite jedoch wird nicht betont
    …wirkt schwer, dumpf
  • Anapäst [ x x x x x x ] – die ersten zwei werden nicht und jede dritte Silbe wird betont
    …wirkt liedhaft, frisch, belebend
  • Daktylus [ x x x x x x ] – jede erste wird und die zweite wie auch dritte Silbe wird nicht betont
    …besitzt eine zurückhaltende wirkung

Kadenz

Die Kadenz wird für jeden Vers von dessen letzten Wort bestimmt. Diese ist bei einsilbigen Wörtern männlich und wirkt stumpf und hart. Bei Versen die auf ein zweisilbiges Wort enden ist die Kadenz weiblich, diese sind klingend und weich. Die überwiegend in einem Gedicht vorkommende Kadenz, bestimmt die Gesamt-Kadenz des Gedichtes. Sollte diese ausgeglichen sein und sich die Kadenz von Vers zu Vers abwechseln, sollte man dies auch ebenso erwähnen.

Gedichtart

Man unterscheidet zwischen Erlebnis- und Stimmungslyrik (Natur, Liebe) sowie Gedanken- und Ideenlyrik (philosophische, politische, geschichtliche Themen).

Poetische, sprachliche, stilistische Mittel

In einer Interpretation sollten vier bist fünf sprachliche Mittel genannt und an Beispielen aus dem Gedicht erläutert werden.

  • Sprachliches Bild – Auffälligkeiten in der Wortwahl, Anschaulichkeit.
  • Metapher – Übertragung, Wörter werden nicht in ihrer wörtlichen, sondern in einer übertragenen Bedeutung gebraucht. Die Beziehung zwischen den Wörtern beruht auf einer sachlichen Ähnlichkeit. (z. Bsp.: Heulen des Windes)
  • Metonymie – Umbenennung, eigentliches Wort durch ein anderes ersetzt. Die Beziehung der Wörter besteht in einer Nachbarschaft oder auch realen sachlichen Zusammengehörigkeit. (z. Bsp.: Ursache für Wirkung – Krach/Streit, Rohstoff für das Erzeugte – Eisen/Schwert)
  • Vergleich – Zwei Begriffe die sich in mindestens einem Punkt gleichen. Meisstens zu erkennen an dem Wort „wie“.
  • Allegorie – Anders bildlich Reden, überträgt gedachtes in Bild. Ist im Allgemeinen ein Gleichnis. Eine abstrakte Idee wird durch etwas gegenständliches ausgedrückt. (z. Bsp.: Friede durch Tauben, Liebe durch Amor)
  • Symbol – Sinnbild oder Kennzeichen, veranschaulicht einen abstrakten Begriff. (z. Bsp.: das christliche Kreuz, die Waage für Gerechtigkeit, weisse Taube für Frieden, rotes Herz für Liebe)
  • Chiffre – Wörter verlieren ihre eigentliche Bedeutung. Sind Zeichen dessen Inhalt rätselhaft und nicht ohne weiteres zu deuten ist. Meisst sind es verrätselte Symbole mit sehr komplexer Bedeutung.
  • Alliteration – Aufeinanderfolgene Wörter mit gleichen Anlaut. (z. Bsp.: Kind und Kegel, Mensch Meier, Milch macht müde Männer munter)
  • Anapher – Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe am Anfang aufeinander folgender Sätze. (z. Bsp.: Ich fordere Moral. Ich fordere Verständnis.)
  • Antithese – Eine allgemeine Gegenbehauptung einer Ausgangsbehauptung. Dabei werden zwei Wörter, Begriffe, Satzteile oder Sätze einander gegenübergestellt, die sich im Sinn widersprechen. Ein Gegensatz oder Wiederspruch wird deutlich hervorgehoben. Meisstens zu erkennen an der Einleitung „aber“. (z. Bsp.: Er konnte alles, aber er konnte dies nicht.)
  • Chiasmus – Spiegelbildliche Anordnung entsprechender Satzteile. (z. Bsp.: Ich bin gross, klein bist du., Er liebt Rosen, Nelken mag er nicht.)
  • Ellipse – Auslassung eines Satzteiles, der zum Verständnis nicht unbedingt notwendig ist. (z. Bsp.: Je schneller, desto besser., Ich kann dies, du nicht., Na und?, Wer? Ich!)
  • Hyperbel – Übertreibung des Ausdrucks in vergrösserndem oder verkleinerndem Sinne. (z. Bsp.: Blitzschnell, Schnekcntempo, Todmüde, Fuchsteufelswild)
  • Oxymoron – Verbindung zweier sich logisch ausschliessender Begriffe, die in pointierter Absicht miteinander verbunden werden. (z. Bsp.: Alter Knabe, bittere Süsse, traurigfroh, helldunkel, hassliebe)
  • Personifikation – Vermenschlichung abstrakter Begriffe und lebloser Dinge. (z. Bsp.: Frau Welt, Gevatter Tod, Vater Rhein, Es kam die Nacht und blätterte gleichgültig in den Bäumen.)
  • rhetorische Frage – Scheinbare Frage, weil keine Antwort erwartet wird. (z. Bsp.: Wer glaubt das denn noch?, Wie dumm bist du denn?)

Gedichtinterpretation

Bei einer Gedichtinterpretationen sollte der nachfolgende schematische Ablauf zum Tragen kommen.

  1. Einleitung – Falls bekannt Daten zum Autor und der Entstehungszeit, Titel des Gedichtes sowie die Gedichtart erwähnen.
  2. Formale Mittel – Nennen des Reimschemas und der Reimform. Metrum bzw. Versmass sowie die Kadenz bestimmen. Wirkung des Metrum wie auch der Kadenz nicht unvergessen lassen.
  3. Sprachliche Mittel – Bezugnehmen auf die sprachlichen Mittel, diese an konkreten Zitaten bzw. Beispielen erläutern.
  4. Ihaltsbezug – Thema des Gedichtes aufgreifen, den Titel-Text Bezug bestimmen und erläutern. Angabe zum lyrischen Ich.
  5. Deutung – Was und wie will uns der Autor etwas zum Ausdruck bringen. Immer Zitate, Fakten aufgreifen und am Text belegen. Besteht zum Beispiel eine moralische Aufforderung oder eine lyrische Darstellung.
  6. Schluss – Zusammenfassung bzw. Fazit
  • Thema des Gedichtes
  • Titel – Text Bezug